Amida Buddha

„Namu Amida Butsu“.

Der Buddhismus ist die Lehre des Gautama Buddha, der vor etwa 2500 Jahren in Indien lebte. Von Indien aus verbreitete sich Buddhas Lehre in Richtung Osten über den asiatischen Kontinent, und erreichte im 6. Jahrhundert n. Chr. über China und Korea auch Japan. Zu diesem Zeitpunkt waren also bereits 1000 Jahre seit Gautama Buddhas Tod vergangen.
Zu den Grundgedanken des Buddhismus gehören zum Beispiel die ständige Veränderung und Vergänglichkeit aller Dinge und Lebewesen. Nichts existiert nur absolut aus sich „selbst“ heraus, sondern erst durch das Zusammenwirken und Verbundensein unbegrenzt vieler verschiedener Faktoren. Alles entsteht, verändert sich, vergeht und entsteht dann wieder neu durch das Zusammenspiel unendlich vieler Dinge und Beziehungen.
Dass wir Menschen normalerweise dieses Prinzip nicht sehen oder begreifen, sondern uns auf die Erfüllung unserer Begierden und Wünsche konzentrieren, verursacht nach Buddhas Lehre Leid und Kummer, von denen wir erst loskommen, wenn wir die oben beschriebenen Zusammenhänge verstehen und in unserem Alltagsleben umsetzen.

Die Lehre und Glaubenspraxis der Jôdo Shû („Schule des Reinen Landes“) besteht in der Vergegenwärtigung und Anrufung Amida Buddhas mit den Worten „Namo Amitâ Buddha“. Die japanische Aussprache ist „Namu Amida Butsu“. Amitâ Buddha bzw. Amida Buddha ist ein Buddha, von dem Gautama Buddha in seinen Lehrreden erzählte. In den buddhistischen Ländern Asiens hat Amida Buddha, der Buddha des Mitgefühls, zahlenmäßig die meisten Anhänger.

Die Bedeutung des „Namu Amida Butsu“

„Amitâ“ im Sanskrit besteht aus der Vorsilbe „A-“ im Sinne von „nicht-„, „un-„. Der zweite Teil „mitâ“ bedeutet „messen“. „Amitâ“ bezeichnet also etwas, das man nicht messen kann, das also „nicht messbar“ oder „unermesslich“ ist.
Das Wort „Buddha“ kann man etwa mit „der zur Wahrheit Erwachte“ übersetzen.
„Namo“ bedeutet „Zuflucht nehmen zu“, „anrufen“ oder „verehren“.
„Namo Amitâ Buddha“ bzw. „Namu Amida Butsu“ lässt sich also etwa mit „Ich nehme Zuflucht zu Buddha, den das menschliche Wissen nicht ermessen kann“ wiedergeben. Im Japanischen wird das „Namu Amida Butsu“ kurz als „Nenbutsu“ („den Buddha im Sinn haben“) bezeichnet. Wir Jôdo-Buddhisten benutzen das Nenbutsu beispielsweise, wenn wir glücklich sind, traurig sind, wenn unser Geist nicht zur Ruhe kommt oder in anderen Situationen, in denen wir unsere Dankbarkeit ausdrücken möchten, um Rettung und Hilfe bitten oder unser Herz reinigen möchten.
Für Hônen Shônin (1133-1212), auf den sich unsere Jôdo Shû beruft, ist in diesem einfachen Satz „Namu Amida Butsu“ die gesamte buddhistische Lehre enthalten und ausgedrückt.

Amida Buddha hat als Bedingung für die Erlangung seiner Buddhaschaft 48 Versprechen gegeben. Von diesen betrachtet Hônen das 18. Versprechen als das „Hauptgelübde“ Amidas: dass alle Menschen, sofern sie auch nur 10 mal durch Anrufung Amidas seiner gedenken, nach ihrem irdischen Tod die Geburt in das von Amida Buddha geschaffene „Reine Land“ (jap. „Jôdo“) erlangen werden.
Amida Buddha wird auch der „Buddha des Unermesslichen Lebens“ („Amitayus“) oder „Buddha des Unendlichen Lichts“ („Amitabha“) genannt. Die Anrufung Amida Buddhas durch das Nenbutsu vergleicht Hônen in seinem Gedicht mit dem Betrachten des Mondes: erst durch die Zuwendung zu Amida Buddha können wir ganz auf seine „andere Kraft“ vertrauen und von seinem Licht erfüllt werden. Das japanische Wort „ôjô“ bezeichnet die Geburt „ins Reine Land hinein“, impliziert also eine Richtung. Wir werden von dieser Welt – in der wir sterben – direkt in das Reine Land geboren (der Ausdruck wird daher im Deutschen manchmal auch mit „Hingeburt“ übersetzt). Im Reinen Land haben wir dann den nötigen inneren Frieden, um auf der nächsten Stufe die Buddhaschaft zu erlangen.

Der folgende Text ist eine Übersetzung von der japanischen Homepage der Jôdo Shû. Den Originaltext finden Sie hier .

Im Buddhismus gibt es verschiedene Übungspraktiken. Alle haben das Ziel, uns von Leid und Kummer zu befreien (jap. „Satori“). Tatsächlich sieht es aber so aus, dass viele dieser Übungspraktiken wie Meditation, Abstinenz oder Askese für die meisten Menschen nur schwer umsetzbar sind. Es scheitert zum Beispiel an zeitlichen, räumlichen oder physischen Einschränkungen. Vor allem aber stellen oft sinnliche Begierden und Leidenschaften oder weltliche Sorgen eine große Hürde dar.
Hier bietet sich die einfache Praxis des „Nenbutsu“ als Anrufung des Amida Buddha an, die auf der Lehre Hônen Shônins (1133-1212) beruht. „Nenbutsu“ bedeutet etwa „sich Buddha vergegenwärtigen“ oder „Buddha im Sinn haben“. „Namu“ kommt aus dem indischen „Namas“ (Sanskrit) und bezeichnet eine Anrufung, Verehrung oder Respektbezeugung.

Die Drei Sutren des Reinen Landes (Jôdo Sanbukyô)

Die Lehre der Jôdo Shû beruft sich auf die sogenannten „Drei Sutren des Reinen Landes“, wozu das „Sutra des Unermesslichen Lebens“ (jap. „Muryôjukyô“), das „Sutra der Visualisierung des Unermesslichen Lebens“ (jap. „Kanmuryôjukyô“) sowie das Amida-Sutra (jap. „Amidakyô“) gehören. Diese drei Sutren werden bei den Ritualen und Zeremonien der Jôdo Shû ganz oder in Teilen rezitiert. 

Gegenstand der Verehrung

In der Jôdo Shû verehren wir an erster Stelle Amida Buddha, weiterhin zu seiner Rechten Kannon Bosatsu (Bodhisattva Avalokiteshvara) und zu seiner Linken Seishi Bosatsu (Bodhisattva Mahasthamaprapta).  

(Ende der Übersetzung)

Nenbutsu-Praxis

Die Juzu-Gebetskette der Jôdo Shû

Im folgenden sollen nun die drei Varianten der Nenbutsu-Rezitation erläutert werden.

Zum einen das „Nenbutsu ichi-e“, die mehrfache Wiederholung des „namu amida butsu“. Es sollte so oft wie möglich wiederholt werden. Tatsächlich ist die Aussprache des Nenbutsu dann „Namu Amida Bu“ (ohne „tsu“ am Ende). Hierbei kann man die juzu-Gebetskette zur Hilfe nehmen und bei jedem Nenbutsu eine Kugel durch die Finger führen.

Eine Alternative stellt das „Jûnen“ dar, das zehnfache Nenbutsu, welches in der Regel in langsamerem Sprechtempo, aber dafür fokussierter und somit intensiver praktiziert wird. Man faltet die Hände zum Gasshô und spricht langsam zehn Mal hintereinander das Nenbutsu wie folgt:
Namu Amida Bu.
Namu Amida Bu.
Namu Amida Bu.
Namu Amida Bu.
Namu Amida Bu.
Namu Amida Bu.
Namu Amida Bu.
Namu Amida Bu.
Namu Amida Butsu.
(Verbeugung)
Namu Amida Bu. (möglichst langgezogen)

Das zehnfache Nenbutsu erscheint im 18. Gelübde des Amida Buddha im Sutra des Unermeßlichen Lebens: jede Person, die das Nenbutsu zehn Mal wiederholt, wird erlöst werden.

Als dritte Möglichkeit gibt es noch das „Sanshôrai“, bei dem drei Mal hintereinander das Nenbutsu mit melodiöser Betonung in sehr langsamem Tempo rezitiert wird, und dann mit einer tiefen Verbeugung abgeschlossen wird. Dies wird drei Mal wiederholt, so daß die gesamte Anzahl an Nenbutsu-Rezitationen neun beträgt.

Wann wird das Nenbutsu rezitiert?

Im Honen-Buddhismus gibt es drei verschiedene Zeiten, zu denen das Nenbutsu rezitiert wird. Die erste ist das sogenannte „Alltags-Nenbutsu“, das wir täglich praktizieren. Die zweite Art heißt „Nenbutsu zu besonderen Anlässen“ und findet nur zu bestimmten Anlässen und Zeitpunkten statt. Als dritte Variante kennen wir das „Sterbebett-Nenbutsu“, das am Bett des Sterbenden rezitiert wird, kurz bevor er die Geburt in das Reine Land (jap. Ôjô) erlangt.

Nenbutsu-Treffen

rheinbuddhistisch, die deutsche Gemeinde der Jodo Shu, veranstaltet einmal pro Monat ein „Nenbutsu-Treffen“, wo wir uns gemeinsam mit der Lehre und Geschichte des Buddhismus befassen und die Nenbutsu-Anrufung Amida Buddhas prakitzieren.
Kontakt: konen(a)jodoshu.eu .